
In Deutschland leben etwa 1,3 Millionen Pferde, davon sind viele als Reit- oder Sportpferde im Einsatz. Immer wieder kommt es vor, dass Pferde plötzlich vermehrt scheuen, erschrecken oder unsicher wirken. Solche Pferde werden schnell als „Problempferde“ bezeichnet. Doch in den meisten Fällen stecken keine böse Absicht oder Ungehorsam dahinter, sondern Stress, Schmerz oder Überforderung.
Was ist „Schreckhaftigkeit“?
Pferde sind Fluchttiere – ihr natürlicher Instinkt ist es, bei Gefahr zu flüchten. Eine einmalige Schreckreaktion auf ein plötzliches Geräusch oder einen unbekannten Gegenstand ist normal. Pferde können auch ohne erkennbaren Grund scheuen, in Panik geraten oder unsicher wirken. Es lassen sich drei Formen unterscheiden:
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Erschrecken: Das Pferd reagiert auf einen sichtbaren oder hörbaren Reiz,
zum Beispiel einen plötzlichen Knall oder eine unerwartete Bewegung.
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Scheuen: Das Pferd gerät ohne erkennbaren Grund in Panik und flüchtet. Oft stecken Stress, Schmerz oder ein allgemeines Unwohlsein dahinter.
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Unsicherheit: Das Pferd wirkt ängstlich oder unkoordiniert, etwa bei Dunkelheit, auf unebenem Boden oder in neuen Situationen.
Häufig sind die Übergänge fließend. Wichtig ist: Schreckhaftigkeit ist selten ein Zeichen von Ungehorsam, sondern meist ein Zeichen von Angst.
Mögliche Ursachen: Körper, Haltung und Training
Die Gründe für Schreckhaftigkeit sind vielfältig. Oft spielen mehrere Faktoren zusammen:
1. Körperliche Ursachen
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Schmerzen: Orthopädische Probleme, Zahnschmerzen oder unpassende Ausrüstung können dazu führen, dass das Pferd auf Reiterhilfen mit Abwehr oder Flucht reagiert. In einer Studie zeigten fast die Hälfte aller untersuchten und als gesund geltenden Sportpferde leichte Lahmheiten.
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Sehstörungen: Erkrankungen können dazu führen, dass Augen geschädigt und die Sicht beeinträchtigt werden. Allerdings kompensieren viele Pferde Sehschwächen erstaunlich gut. Nicht jedes scheuende Pferd hat also zwingend ein Augenproblem.
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Hörstörungen: Taubheit oder Hörverlust, etwa durch Entzündungen oder die Temporohyoid-Osteoarthropathie (THO), können zu erhöhter Schreckhaftigkeit führen.
2. Stress durch Haltung und Fütterung
Bewegungsmangel und Sozialkontakt: Pferde sind Herdentiere und brauchen regelmäßigen Kontakt zu Artgenossen sowie ausreichend Bewegung. Studien zeigen, dass Pferde in Gruppenhaltung weniger Stress haben als Pferde in Einzelhaltung.
Fütterungsfehler: Zu lange Fresspausen, zu wenig Raufutter oder unregelmäßige Fütterungszeiten können Stress und Frustration auslösen. Eine durchgehende Raufutterversorgung fördert dagegen die Serotonin-Produktion und wirkt beruhigend.
Schlafmangel: Pferde, die sich nicht hinlegen können, etwa wegen orthopädischer Probleme oder unpassender Boxen, leiden unter Schlafmangel. Dies äußert sich in Nervosität, erhöhter Schreckhaftigkeit oder sogar plötzlichem Einschlafen im Stehen.
3. Training und Lateralität
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Ausbildung: Zu schnelles, einseitiges oder hartes Training führt zu Unsicherheit und „erlernter Hilflosigkeit“. Pferde, die ihre Balance nicht halten können, scheuen häufiger.
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Lateralität: Pferde haben eine bevorzugte Körperseite, ähnlich wie Linkshänder oder Rechtshänder beim Menschen. Ein ausgewogenes Training, das beide Körperseiten gleichmäßig fördert, wirkt hier vorbeugend.

Diagnostik: Ganzheitlich vorgehen
Wenn ein Pferd vermehrt scheut oder unsicher wirkt, sollten zunächst die
Haltungsbedingungen überprüft werden:
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Haltung: Gibt es ausreichend Bewegung und Sozialkontakt?
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Fütterung: Steht genug Raufutter zur Verfügung? Gibt es feste Fütterungszeiten?
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Schmerzen: Zeigt das Pferd Anzeichen von Schmerzen oder Unwohlsein? Hier helfen das „Ridden Horse Pain Ethogram“ (RHpE) und der „Horse Grimace Scale“ (HGS) bei der Einschätzung.
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Sehen und Hören: Gibt es Anzeichen für Seh- oder Hörstörungen? Eine tierärztliche Untersuchung bringt Klarheit.
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Training: Wird das Pferd fair, geduldig und nach der Ausbildungsskala trainiert? Werden Lateralität und Balance berücksichtigt?
Fazit: Schreckhaftigkeit als Hilferuf verstehen
Schreckhaftigkeit ist selten ein Zeichen von Ungehorsam, sondern meist ein Ausdruck von Stress, Schmerz oder Überforderung. Eine ganzheitliche Betrachtung von Haltung, Training, Gesundheit und individuellen Bedürfnissen ist entscheidend. Oft liegen die Lösungen in kleinen Änderungen im Alltag – etwa mehr Sozialkontakt, eine angepasste Fütterung oder ein faireres Training. Chronische Schmerzen sollten allerdings ausgeschlossen werden. Manchmal braucht das Pferd aber einfach mehr Verständnis und Geduld.
Gedanken zur Schreckhaftigkeit
Der folgende Artikel ist eine korrigierte KI-Zusammenfassung (Mistral, Le Chat 04/26) der wissenschaftlichen Veröffentlichung:
Fachartikel für Besitzer
Gedanken zur Schreckhaftigkeit